AfD-Watch-Watch – Fake-News mit Alibi

In einem leeren Studio sitzt ein Praktikant und wartet aufgeregt auf den Anruf eines Moderators aus dem Sendestudio nebenan, gleich hat er seinen ersten Auftritt im Radio. Da wird er auch schon anmoderiert: „Live aus Hannover von der Cebit ist uns unser Experte Stephan Müller zugeschaltet, Herr Müller, was gibt es Neues am SmartPhone-Markt?“ Unser Praktikant grüßt artig die Hörer und rasselt seinen auswendig gelernten Text herunter…

 

Finden Sie das anrüchig? Ist die Meinung eines knapp 20-Jährigen Rundfunk-Praktikanten aus Sicht eines technophilen Anwenders eine Expertenmeinung? „Naja“, werden Sie sagen, „nicht wirklich, aber ein Skandal ist das nun auch nicht.“ Sie haben Recht, das ist nichts Außergewöhnliches, so etwas kommt in deutschen Redaktionen bestimmt häufiger vor, Beispiele sind dem Verfasser selbst mehrfach bekannt geworden.

 

Was nun tun, wenn man etwas über eine politische Partei berichten will, der man aber aus Gesinnungsgründen einerseits keine Plattform bieten will und die man andererseits ganz sicher nicht gut aussehen lassen will? Redlich geführte Interviews, die man anschließend nicht im Stile eines Kettensägen-Massakers zurechtschneiden kann oder das Abdrucken von Presseerklärungen kommen schon einmal nicht in Frage. Also was tun, wenn der Tenor des Berichts schon feststeht, man aber auf Teufel komm ‚raus keine Quelle finden kann? Dann gründet man ein Journalisten-Kollektiv, das – von der Landesmedienanstalt natürlich völlig unbehelligt – mit einem Fake-Impressum als AfD-Watch Bremen firmieren darf und von den Kollegen oder von den Mitgliedern selbst immer wieder als Quelle für Unwahrheiten und Halbwahrheiten angegeben werden kann. In der Branche ist allgemein bekannt, dass AfD-Watch Bremen aus Journalisten-Kollegen besteht, man kennt sich und mag sich.

 

„Also, wir verbreiten keine Fake-News, die Informationen haben wir vom Recherche-Netzwerk ‚AfD-Watch Bremen‘ erhalten, wenn überhaupt, haben die gelogen“ – kann man dann sagen, ohne rot zu werden – also im Gesicht, versteht sich. „Nein, das haben wir nicht geprüft, AfD-Watch hat das geprüft! Wir Lügenpresse? Alles rechte Propaganda!“ kann man dann sagen, ohne zugeben zu müssen, dass man selbst nichts weiter als Propaganda verbreitet hat. „Wieso, wir machen hier keinen Meinungsjournalismus und keine Volkserziehung, das sind alles von AfD-Watch Bremen belegte Fakten!“ kann man dann sagen und das Haupt im Wissen, etwas gegen die ach so böse AfD getan zu haben, zum wohlverdienten Schlaf betten, nicht ohne sich noch im Kreise Gleichgesinnter vorher ausführlich selbst gelobt zu haben oder irgendeine Erklärung gegen „Rechts“ (wieso gibt es solche Sachen nicht gegen „Links“?) unterzeichnet zu haben, man ist ja ein sooo guter Mensch! Virtue Signaling nennt man das im Englischen, man signalisiert seine Gutheit.

 

Wie muss man sich nun eine solche AfD-Watch-Bremen-Recherche vorstellen? Da steht dann zum Beispiel die bekannte freie Journalistin Andrea Röpke (vielleicht möchte sie ja aber lieber Lieschen Müller genannt werden?) vor dem Veranstaltungslokal eines AfD-Parteitags, filmt alle, die den Veranstaltungsort verlassen und einer ihrer Kollegen notiert sich die Kennzeichen der Fahrzeuge, mit denen die AfD-Mitglieder nach einem anstrengenden Tag mit vielen Abstimmungen nur noch nach Hause wollen. Wozu? Ganz bestimmt zur Berichterstattung in den Medien, oder? Sicher wird da keine Kartei für die Antifa gefertigt, nein! Autokennzeichen sehen wir ja täglich in der Presse, genau wie die Teilnehmer von Parteitagen sagen wir der Piratenpartei, nicht wahr? Wie, das darf man nicht, sagen Sie? Hoppla!

 

Frau Röpke gab übrigens gegenüber der Polizei an, sie befände sich am Ort des Parteitags, weil sie einen Auftrag von Radio Bremen dazu habe. „Stimmt nicht!“ sagt Radio Bremen auf Nachfrage, die haben dort gar keinen Journalisten hinbeordert! Hm, also wie war das Sprichwort? „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!“

 

AfD-Watch Bremen wird fröhlich von allen möglichen Zeitungen als Quelle benannt: taz, Weser-Kurier, Zeit, Süddeutsche, Cicero – wird doch das eigene Vorurteil gegen die AfD bestätigt und so muss man sich nicht die Mühe machen, selbst Fake-News zu erfinden, die werden einem völlig ohne das Risiko einer Klage oder Strafanzeige seitens der Diffamierten von dem Fake-News-Kollektiv mit dem Fake-Impressum geliefert. Der eigentliche Skandal ist aber, dass wohl der eine oder andere „AfD-Watch-Bremen-Journalist“ auch für die eine oder andere hier genannte Zeitung schreiben dürfte, als Freier oder gar Festangestellter!

 

Wir wollen hier nicht so weit gehen, wie der „Achse des Guten“-Autor Marcus Ermler, der AfD-Watch Bremen in seinem Artikel „Weimar 2.0“ als „Stasi 2.0“ bezeichnet, denn der Verfasser hier kennt als Sachse die Methoden der DDR-Schlapphüte, aber sicher sind die „Journalisten“ von AfD-Watch auf dem Weg, die „operative Zersetzung“ zu erlernen, man könnte also allenfalls „Stasi-Lehrlinge“ sagen.

 

Recherche von AfD-Watch Bremen erschöpft sich darin, etwas von AfD-Kritikern (egal, ob internen oder externen) zugespielt zu bekommen und wenn das zum eigenen Narrativ passt, dann auf die Internet-Seite damit! Wozu prüfen? Wozu nachfragen? Könnte ja für die AfD am Ende noch Positives herauskommen! Pah! Hinzu kommen Überwachungen vor Parteitagslokalen oder gegenüber von Geschäftsstellen, man fotografiert und filmt in Fenster, was man halt so beim „Beobachtungsobjekt“ möglich ist. Würden nicht einige Querulanten aus den eigenen Reihen der AfD widerrechtlich interne Dokumente veröffentlichen, müsste AfD-Watch Bremen sich seine „Informationen“ nicht mehr aus einseitig interessierten Quellen beschaffen, sondern könnte sie sich direkt aus dem kleinen Finger lutschen, paradiesische Zustände, oder, liebes „Journalisten-Kollektiv“?